*Die Enkelin* von Bernhard Schlink

*Werbung, unbezahlt*

Inhalt /Klappentext: Birgit ist zu Kaspar in den Westen geflohen, für die Liebe und die Freiheit. Erst nach ihrem Tod entdeckt er, welchen Preis sie dafür bezahlt hat. Er spürt ihrem Geheimnis nach, begegnet im Osten den Menschen, die für sie zählten, erlebt ihre Bedrückung und ihren Eigensinn. Seine Suche führt ihn zu einer völkischen Gemeinschaft auf dem Land – und zu einem jungen Mädchen, das in ihm den Großvater und in dem er die Enkelin sieht. Ihre Welten könnten nicht fremder sein. Er ringt um sie.

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Bernhard Schlink, geboren 1944 bei Bielefeld, ist Jurist und lebt in Berlin und New York. Der 1995 erschienene Roman ›Der Vorleser‹, 2009 von Stephen Daldry unter dem Titel ›The Reader‹ verfilmt, in über 50 Sprachen übersetzt und mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, begründete seinen schriftstellerischen Weltruhm.

Auszeichnungen

›Pak Kyong-ni Prize‹ der südkoreanischen Kulturstiftung Toji für sein schriftstellerisches Schaffen, 2014 ›Bundesverdienstkreuz 1. Klasse‹ für Der Vorleser, 2003

›Preis des German-British Forum‹ für sein Gesamtwerk, 2002 Ernennung zum ›Chevalier dans l’Ordre de la Légion d’Honneur‹, 2001 Finnischer Literaturpreis ›Eeva Joenpelto-Preis‹ der Gemeinde Lohja, 2001 ›Ehrengabe‹ der Heinrich-Heine-Gesellschaft in Düsseldorf, 2000 ›Evangelischer Buchpreis‹ des Deutschen Verbandes Evangelischer Büchereien für Der Vorleser, 2000 ›Sonderkulturpreis‹ der japanischen Tageszeitung Mainichi Shinbun, der jedes Jahr an einen japanischen Buchbestseller vergeben wird, für Der Vorleser, 2000 Erstmals verliehener ›WELT-Literaturpreis‹ für sein literarisches Schaffen, 1999›Grinzane-Cavour-Preis‹ (Italien) für Der Vorleser, 1997 ›Hans-Fallada-Preis‹ der Stadt Neumünster für Der Vorleser, 1997 ›Prix Laure Bataillon‹ (Frankreich) für Der Vorleser (Auszeichnung für den Autor sowie für den Übersetzer Bernard Lortholary), 1997 ›Deutscher Krimi-Preis‹ des Bochumer Krimi Archivs für Selbs Betrug, 1993Autorenpreis deutschsprachige Kriminalliteratur ›Der Glauser‹ für Die gordische Schleife, 1989

Mein Leseeindruck: Kaspar und Birgit, sie aus dem Osten stammend, er aus dem sogenannten Westen verlieben sich in den 60er Jahren , führen ein jahrzehntelanges gemeinsames Leben in der Bundesrepublik nach einer dramatischen Fluchtaktion von Birgit aus der ehemaligen DDR . Er arbeitet als Buchhändler – sie offenbart ihm nach ihrem unglücklichen Tod als Alkoholikerin ein bislang geheim gehaltenes, bedeutsames Ereignis ihres früheren Lebens im Ostteil von Deutschland mit Fragmenten aus ihren Aufzeichnungen. Was Kaspar, inzwischen ein älterer Senior, aus den geretteten Daten ihres Computers über seine geliebte, verstorbene Frau erfährt, erschüttert ihn zutiefst. Plötzlich taucht wie aus dem Nichts nach Birgits Tod die unbekannte Enkelin Sigrun mit ihrer Familie auf und tritt in sein Leben. Diese Begegnungen verändern Kaspar’s Sicht auf das gemeinsam Erlebte von Jahrzehnten umfassend. Auch seine Auffassungen über völkische Entwicklungen in unserer heutigen deutschen Zivil-Gesellschaft , die ihm völlig zuwider sind, geraten ins Wanken. Er zweifelt, bekommt durch glückliche Umstände ein schwaches Vertrauensverhältnis zu dieser Familie. Er versucht die Lebensauffassungen seiner neu gewonnenen, blutjungen Enkelin zu verstehen.

Auch ich war erschüttert, beeindruckt und wurde schnell und tief in das Geschehen des Romans hineingerissen. Der Schreibstil des Autors ist fast genial zu nennen und hat mir ausserordentlich gut gefallen! Die Charakterzeichnungen des Autors sind treffend, vermitteln eine fast perfekte, passende Beschreibung innerer Dialoge der Protagonist*innen! Da sind Kaspar und Birgit, durch eine jahrzehntelange Bindung und Liebe fest miteinander verschweißt. Kaspar’s Charakter, einfühlsam erschaffen vom Autor, beeindruckt durch seine Toleranz, seiner Empathie für dieses neue Enkel-Kind, seiner Grosszügigkeit und dem Versuch diese ihm eigentlich völlig fremden Menschen zu verstehen. Die 15 jährige Enkelin Sigrun sprüht vor Lebenslust und Neugierde auf eine neue Sichtweise der Welt – ausserhalb der traditionell geprägten, unverrückbaren Dogmen ihres völkischen Umfeldes. Kaspar hilft, erklärt dem jungen Mädchen behutsam eine für sie völlig fremde Welt und verzweifelt fast am Starrsinn seiner Enkelin. Die gemeinsame Liebe zur Musik baut langsam eine beständige Brücke des Vertrauens zwischen den beiden auf.

Es war für mich zum Verzweifeln beim Lesen auf diese durch die völkische Erziehung geprägten Eigenarten der Familie zu treffen. Doch die Hoffnung auf eine Veränderung des Denkens wird immer wieder belebt und macht diesen Roman dadurch zu einem unvergesslichen Leseerlebnis. Das Buch regt zum Nachdenken an, schafft kein eindeutiges Bild zu dieser komplexen Thematik und überzeugt durch die Darstellung unterschiedlicher Lebensbedürfnisse der Menschen unserer heutigen Gesellschaft.

Meine Bewertung: FÜNF * Sterne für dieses unvergeßliche Leseerlebnis.

Herzlichen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar!