*Der Flug des Raben*,, mein Leseeindruck!

*Werbung, unbezahlt*

Mein Leseeindruck:

Richard Wagamese (1955-2017) hat mich mit seinem autobiografischen Roman über die indigene Kultur der Anishinabe sehr berührt und mir ganz viel neues Wissen über die indigene Denkweise und Kultur dieser Menschen übermittelt. Sie sind sehr humorvoll , kichern sogar wenn die Tränen fliessen, begegnen anderen Geschöpfen ( auch Menschen mit einer anderen Hautfarbe 😉 ) mit Nachsicht und Liebe, besitzen eine starke Familienbindung. Sie haben sich die Kraft ihrer Kultur durch das Geschichten Erzählen bewahren können. Sie schöpften so diese Erfahrungen mit und aus der Natur, den Wäldern Kanadas und seiner Tierwelt.

Der Protagonist des Romans Garnet Raven wurde als dreijähriger Junge von kanadischen Sozial Behörden den Eltern im Reservat entrissen, entführt und in eine Residential School gebracht um ihn umerziehen zu lassen. Er wurde dort all seiner Wurzeln und Identität beraubt und hat erst im Alter von 25 Jahren nach einer langen und grausamen Odyssee durch Pflegefamilien zurück zu seiner Familie gefunden. Diese schreckliche Handhabe war in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhundert eine gängige und akzeptierte Vorgehensweise der Behörden.

Die Veränderung des jungen Mannes von einem Kriminellen zu einem nachdenklichen und liebenswürdigen Menschen wird sehr deutlich und einnehmend vom Autor geschildert. Sein Nachhausekommen in das Reservat seiner Ursprungsfamilie heilt ihn von den negativen Erfahrungen des Grossstadtlebens und seiner eigenen Ruhelosigkeit und Verlorenheit.

Ich habe dieses gefühlvoll geschriebene Buch sehr genossen, auch wegen der humorvollen, flüssigen und angenehmen Ausdrucksweise des Autors und kann sie jedem interessierten Leser*innen der indigenen Welt ans Herz legen.

Meine Bewertung: FÜNF * Sterne für diesen grossartigen Roman.

Vielen Dank an den Blessing Verlag und das Bloggerportal für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplars.

INHALT/KlAPPENTEXT: Garnet Raven ist drei Jahre alt, als er seinem Zuhause in einem Ojibway-Reservat entrissen und von den Behörden in Obhut genommen wird. Er wächst in verschiedenen Pflegefamilien auf, bis er als Teenager die erstbeste Möglichkeit nutzt, um sich aus dem Staub zu machen. Er flieht in die Großstadt, gerät auf die schiefe Bahn und landet schließlich im Gefängnis. Zu seiner großen Überraschung erhält er dort einen Brief seiner längst vergessenen Ursprungsfamilie.

Als er nach seiner Entlassung ins Reservat seiner frühesten Kindheit zurückkehrt und beschließt, dort zu bleiben, bis er neue Pläne für seine Zukunft entwickelt hat, ändert sich sein Leben von Grund auf: Keeper, ein Freund seines Großvaters und der letzte Hüter der Weisheit der Ojibway, macht ihn mit den Traditionen und Riten seines Stammes vertraut. Garnet entdeckt nach und nach die Bedeutung des Ortes, seine Herkunft und sich selbst.

Richard Wagamese, geboren 1955 im Nordwesten Ontarios, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern Kanadas und indigenen Stimmen der First Nations. Er veröffentlichte 15 Bücher, für die er vielfach ausgezeichnet wurde, u.a. mit dem Publikumspreis des Canada-Reads-Programms des staatlichen Rundfunks für den Roman „Der gefrorene Himmel“, dessen von Clint Eastwood produzierte Verfilmung ebenfalls preisgekrönt wurde. Als Kind von seinen Eltern getrennt, aufgewachsen in Heimen und bei Pflegefamilien, die ihm eine Beziehung zu seinen indigenen Wurzeln verboten, wurde Wagamese erst im Alter von 23 Jahren wieder mit seiner Familie vereint. Er ließ sich in Kamloops, British Columbia, nieder, wo ihm später von der Thompson Rivers University die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Richard Wagamese verstarb im Jahr 2017.