Hervorgehoben

*Zwei Seelen* von Luise Rolf

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Danke Rodolfo !

Zwei Seelen

Sie gehen beide der Sonne
Entgegen auf gleichem Pfad —
Sie streuen beide voll Wonne
In den Acker des Lebens die Saat —
Fast streift der eine den andern
Beim flücht’gen Vorübergeh’n,
Noch haben sie nie noch beim Wandern
Einander ins Auge geseh’n.

Da treibt einmal ein Begebnis
Seine Wellen an ihren Strand —
Ein ganz alltäglich’ Erlebnis
Macht sie miteinander bekannt …
Und was sich dann zugetragen,
Das wissen sie beide kaum,
Sie träumten in künftigen Tagen
Nun beide den gleichen Traum.

Sie träumten von einer Stunde,
Die flüchtig vorüberging,
Da wie geheiligte Kunde
Ein leuchtendes Glück sie umfing —
Da einer im Auge des andern
Die eigene Seele fand —
Da jeder das tastende Wandern
Des andern so gut verstand.

… Sie haben sich wieder verloren
Und haben’s im Grunde doch nicht –
Es klingt noch in ihren Ohren
Wenn einer vom andern spricht…
Das Leben baut keine Brücke,
Die Kluft ist zu tief und zu breit – – –
Wie haben die Menschen zum Glücke
So nah oft und doch so weit!

Luise Rolf
Aus der Sammlung Wegblumen

Luise Rolf

 

Hervorgehoben

*HerzLyrik*

(Paula Dehmel)

Gruß an die Kinder.
Ich möcht euch alle miteinander
auf bunten Wiesen sehn,
bei Klarinetten und Geigen
die Füßchen im Tanze drehn.
Ich möcht euch alle miteinander
mitnehmen im Luftschiffkahn,
euch die schöne Erde zeigen,
und was fleißige Menschen getan.
Ich möcht euch alle miteinander
still führen an der Hand,
euch heimliche Dinge sagen
von Gott und dem Sternenland.

Paula Dehmel geb. Oppenheimer
Geboren am 31.10.1862 in Berlin; gestorben am 9.7.1918 in Berlin.
Die Tochter eines Predigers der jüdischen Reformgemeinde war von 1889 bis 1898 mit Richard Dehmel verheiratet; auch nach der Scheidung arbeiteten beide eng bei der Schaffung von anspruchsvollen Kinderbüchern zusammen. 1915-17 war sie Herausgeberin von »Meidingers Kinderkalender«, zu dem neben bekannten zeitgenössischen Autoren auch sie selbst Beiträge lieferte.

Quelle

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Danke Rodolfo!

 

 

Hervorgehoben

*HerzLyrik*

ALTIRISCHER SEGENSWUNSCH

Eine sanfte Brise umfange dich,
wenn der Sommer kommt,
ein wärmendes Feuer sei dir nicht fern,
wenn der Winter naht.
Und immer stütze dich
das aufmunternde Lächeln eines Freundes.

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Hervorgehoben

*HerzLyrik*

Schöne Junitage

Mitternacht, die Gärten lauschen,
Flüsterwort und Liebeskuß,
Bis der letzte Klang verklungen,
Weil nun alles schlafen muß –
Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

Sonnengrüner Rosengarten,
Sonnenweiße Stromesflut,
Sonnenstiller Morgenfriede,
Der auf Baum und Beeten ruht –
Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

Straßentreiben, fern, verworren,
Reicher Mann und Bettelkind,
Myrtenkränze, Leichenzüge,
Tausendfältig Leben rinnt –
Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

Langsam graut der Abend nieder,
Milde wird die harte Welt,
Und das Herz macht seinen Frieden,
Und zum Kinde wird der Held –
Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

Detlev von Liliencron (1844 – 1909), eigentlich Friedrich (Fritz) Adolf Axel Freiherr von Liliencron, deutscher Lyriker des Impressionismus und Naturalismus

Quelle

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*HerzLyrik*

Es ist was es ist  

(Erich Fried * 6. Mai 1921 in Wien; † 22. November 1988 in Baden-Baden) war ein österreichischer Lyriker, Übersetzer und Essayist.

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Erich Fried

watery-heart-272516_1920Pixabay *Tränendes Herz*

HerzBilder und HerzLyrik

 

Frühling

Du schöne, du liebe, du wonnige Maid,
Nun bist du daher gekommen
Und hast mir alle mein Herzeleid
Mit einem Worte genommen.
Den ganzen Frühling bringst du ja mit,
Sein Knospen und Schwellen und Drängen,
Es sprießen Blätter auf jeden Schritt,
Und es schallt von frohen Gesängen.

Und Blumen trägst du mir in das Haus,
Mir freundlich das Leben zu schmücken,
Ich kann mir einen duftigen Strauß
Von dir, du Liebliche, pflücken.
Die Veilchen hast in den Augen du
Und die junge Rose im Munde,
Du lächelst mir Vergißmeinnicht zu
Und Gedenkenmein jede Stunde.

Mein Springauf bist du und Edelweiß,
Herzfreude und Anemone,
Mein Tausendschön und Ehrenpreis,
Märzbecher und Kaiserkrone,
Sie nicken so traulich und flüstern und blüh’n,
Sind alle auf einmal entsprungen,
Und meiner Liebe Immergrün
Hab‘ ich um alle geschlungen.

Du schöne, du liebe, du wonnige Maid,
Nun gibt mir süßselige Kunde,
Jelängerjelieber thu‘ mir Bescheid
Mit deinem rotblühenden Munde.
Die langen, seidenen Wimpern schlag‘
Nur auf und schütt’le die Locken,
Ich liebe dich, Mädchen! ’s ist Frühlingstag,
Er läutet mit Maienglocken.

Julius Wolff (1834 – 1910), deutscher Schriftsteller

Julius Wolff

 

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Danke für das schöne Foto lieber Rodolfo!