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*Winter in Bloomsbury* von Annie Darling

*Werbung, unbezahlt*

Meine Meinung: Dieses Büchlein ist der letzte Band einer vierteiligen Reihe. Jedes Buch kann man aber auch einzeln für sich geniessen. Das ansprechende Cover mit dem Schneemann und einem Weihnachtsbaum vermittelt sofort ein gefälliges und leichtes Leseversprechen. Es ist ein absolutes Wohlfühlbuch, welches flüssig und angenehm zu lesen ist und von der Autorin romantisch und liebevoll verfasst wurde.

Mattie führt einen kleinen Tearoom in der Nachbarschaft der Buchhandlung Happy Ends , liebt den Kundenkontakt und backt wunderbare Scones, Kuchen und Torten. Es ist ihre Leidenschaft und doch vermisst sie eine persönliche Liebesbeziehung nach einer bitteren Enttäuschung in ihrem Leben. Plötzlich muss sie sich aus arbeitstechnischen Gründen mit dem Buchhändler Tom auseinandersetzen und erlebt so manche positive und auch negative Überraschung mit ihm. Es gibt noch einige nette andere Protagonisten wie Posy , die schwangere Inhaberin der kleinen Buchhandlung, sowie die emsige Nina, die sich sehr gerne um die Dekoration des Ladens und auch des Tearooms kümmert. Ich möchte abschliessend noch die scheue Verity erwähnen, die sich lieber im Hintergrund der Buchhandlung aufhält.

Das Setting spielt in London zur Vorweihnachtszeit, doch man kann dieses Buch gern während der gesamten Wintermonate geniessen. Es vermittelt sehr schön diese Atmosphäre und lässt trotzdem der Fantasie des Lesers allen Spielraum.

MEINE BEWERTUNG: FÜNF ***** STERNE für diesen turbulenten und amüsanten Wohlfühlroman!

Herzlichen Dank an die Autorin und den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar!

Inhalt/Klappentext: Mattie backt die köstlichsten Weihnachtsplätzchen, doch das Rezept für ihren Traummann hat sie noch nicht gefunden …

Die himmlischen selbstgebackenen Köstlichkeiten, die Mattie im Tearoom der kleinen Buchhandlung in Bloomsbury serviert, sind weit über die Grenzen des Londoner Stadtteils bekannt. Eigentlich müsste der Dezember mit seinen leuchtend geschmückten Straßen und duftenden Weihnachtsplätzchen für Mattie die schönste Zeit des Jahres sein – wenn ihr vor Jahren nicht ausgerechnet an Heiligabend das Herz gebrochen worden wäre. Es gibt nur eins, was Mattie noch schlimmer findet als die Feiertage: ihren unverschämten, aber gleichzeitig ziemlich attraktiven Kollegen Tom. Doch als mitten im Weihnachtstrubel die gesamte Belegschaft ausfällt, müssen Mattie und Tom den Laden plötzlich ganz allein führen …

Annie Darling lebt in einer winzigen Londoner Wohnung, in der man vor lauter Bücherstapeln kaum laufen kann. Ihre großen Leidenschaften sind Liebesromane und ihre Katze. »Der kleine Laden in Bloomsbury« ist Annie Darlings Debüt in deutscher Sprache und der Beginn einer Reihe um eine wunderbare kleine Buchhandlung in Bloomsbury.

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*Das Flüstern der Bäume* von Michael Christie

*Werbung, unbezahlt*

Meine Meinung: Der mystische Titel hat mich schon magisch angezogen. Seit wann können Bäume flüstern? Doch wenn man allein in einem Wald dem Rauschen der Äste und Blätter länger zuhört, bemerke ich jedesmal wie man mit diesen Lebe -Wesen und Wahrnehmungen Kontakt zu ihnen aufnehmen kann. Das ist allerdings meine ganz persönliche Meinung und hat erstmal mit dieser Lektüre nicht viel zu tun. Nun zum Buch!
In einem Zeitraum von über einhundertdreissig Jahre verfolgen wir in dieser Lektüre eine Geschichte der Vernichtung, Zerstörung und Missachtung der kanadischen Wälder – zusätzlich der Wälder unserer bekannten Kontinente der Erde. Unsere Spezie Mensch hat es auf den Primärwald (Urwald) hauptsächlich abgesehen. Diese Wälder erschienen uns Menschen zeitweise bedrohlich und menschenfeindlich.
Der Autor schildert in seiner Familien-Geschichte Erlebnisse in einer fiktiven und teilweise dystopischen Schreibweise, auch der Zukunft. Die sprachgewaltige und berührende Schreibweise von Michael Christie fasziniert von Beginn an und schenkt dem Lesefluss einen freudigen und befriedigenden Lauf. Auch unsere Generation erlebt schon trockene Sommer und ungewöhnliche Klimaveränderungen mit Sandstürmen , dem Abschmelzen der Polkappen. Im Buch von Christie haben diese Veränderungen so ein grosses Maß erlangt, dass die Besuche kanadischer Wälder auf ein bestimmtes Größenmass geregelt werden – immer unter der Prämisse des notwendigen Naturschutz , die von Naturparkführern streng reglementiert wurde.
Die persönliche Familien – Geschichte der Brüder Harris und Everett Greenwood, sowie deren Nachfahren bis in das Jahr 2038 hinein hat mich zwar gefesselt, aber nicht unbedingt begeistert . Diese beiden Protagonisten überzeugten nicht in ihrer Charakterdarstellung und vor allem knüpften sie für mich kein positives Band zu ihren Nachkommen. Durch ihre Handlungen erscheint das ganz natürlich für ihre Kinder und Enkel und ist doch schmerzlich – vor allem für die ahnungslose Jacinda, die erst nach und nach von den Verwicklungen ihrer Familie mit den Wäldern erfährt. Für die aufstrebenden Jahre der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurden wertvolle Ressourcen für immer vernichtet und durch die Klimaveränderungen können sie kaum wieder hergestellt werden. Das ist die schmerzliche Bilanz, die nach dem Lesen dieses Buches immer stärker in den Fokus des Lesers rückt. Die komplizierte Familiengeschichte spielt den passenden Rahmen für dieses Drama in der Geschichte der Menschheit!

Meine Bewertung: FÜNF * Sterne für diese aufrüttelnde Lektüre.

Herzlichen Dank an den Autor und den Penguin Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar!

Inhalt/Klappentext: Eine Familie, vier Generationen, schicksalhaft verbunden mit den Wäldern Kanadas

Jacinda Greenwood weiß nichts über ihre väterliche Familie, deren Namen sie trägt. Sie arbeitet als Naturführerin auf Greenwood Island, doch die Namensgleichheit, so glaubt sie, ist reiner Zufall. Bis eines Tages ihr Ex-Verlobter vor ihr steht. Im Gepäck hat er das Tagebuch ihrer Großmutter. Jahresring für Jahresring enthüllt sich für Jacinda endlich ihre Familiengeschichte. Seit Generationen verbindet alle Greenwoods eines: der Wald. Er bietet Auskommen, ist Zuflucht und Grund für Verbrechen und Wunder, Unfälle und Entscheidungen, Opfer und Fehler. Die Folgen all dessen bestimmen nicht nur Jacindas Schicksal, sondern auch die Zukunft unserer Wälder …

Michael Christie, in Thunder Bay, Ontario, geboren, studierte Psychologie und arbeitete in der Obdachlosenhilfe, bevor er 2011 sein Debüt »The Beggar’s Garden« veröffentlichte. »Das Flüstern der Bäume« ist sein zweiter Roman, der mehrfach nominiert wurde, u.a. für den bedeutendsten kanadischen Literaturpreis, den Scotiabank Giller Prize. Michael Christie lebt mit seiner Familie in einem selbst gezimmerten Holzhaus auf der Insel Galiano vor Vancouver.

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*Dieses ganze Leben* von Raffaella Romagnolo

*Werbung, unbezahlt*

Hardcover Leinen

272 Seiten

erschienen am 28. Oktober 2020

Inhalt /Klappentext: Paola passt nicht in diese Welt, findet sie. Wo Glanz und Erfolg das Maß vorgeben, hält sie sich lieber an ihren Bruder, der im Rollstuhl sitzt, gerne Schach spielt und auf Likes pfeift. Auf Verordnung ihrer Mutter muss Paola täglich mit Richi an die frische Luft. Eine gute Gelegenheit, der Enge der elterlichen Villa zu entfliehen und Gegenden zu erkunden, wo Paola das wahre Leben vermutet – das so ganz anders ist, als sie dachte.

Raffaella Romagnolo, geboren 1971 in Casale Monferrato. Sie unterrichtet Geschichte und Italienisch an einem Gymnasium. Seit 2007 schreibt sie auch Romane – mit Erfolg. Ihr Roman ›Bella Ciao‹ sorgte international für Aufmerksamkeit und erschien in zahlreichen Sprachen. Für ›La figlia sbagliata‹ war sie für den Premio Strega nominiert, ebenso mit ihrem Jugendbuch ›Respira con me‹. Raffaella Romagnolo lebt in Rocca Grimalda im Piemont.

Auszeichnungen
Respira con me ist für den ›Premio Strega‹ nominiert, 2020
La figlia sbagliata war für den ›Premio Strega‹ nominiert, 2018

Meine Meinung: Schon immer sind es junge Menschen gewesen, die der aktuellen Welt kritisch und den jeweiligen Gesellschaftsentwicklungen abwägend gegenüber stehen. So ergeht es auch Paola, von engen Freunden auch liebevoll Paoletta genannt. Sie ist ein ausserordentlich nachdenkliches junges Mädchen von sechzehn Jahren – am Übergang zum Erwachsenendasein. Doch was heisst das wirklich? Paola ist auf der Suche nach Wahrheit. Wahrheit über sich selber, ihren Körper und Geist, ihren behinderten, im Rollstuhl sitzenden Bruder Richie gegenüber, den sie verantwortungsvoll liebt und beschützt – sogar vor den gemeinsamen Eltern. Das Verhältnis zu Mutter und Vater ist gespalten. Die Familie ist ausserordentlich reich, hat keine Alltagssorgen , auch Paola und Richie nicht. Sie vermisst nur eines für sich und den Bruder. Liebe und Anerkennung durch die Familie.

Jedoch die lange fügsam gebliebene Paoletta rebelliert endlich. In erster Linie gegen die dominante Mutter, die Paola auf den angepassten Weg des Gehorsams und KLASSENDENKENS lenken möchte. Paola verheimlicht zum Beispiel gierige Essattackeneinkäufe von Fast Food, die sie auf ihren von der Mutter verordneten Spaziergängen zusammen mit ihrem Bruder Richie tätigt. Aber das ist nur ihr äusserliches Aufbegehren gegen ihre Figurprobleme und die strengen Regeln der Mutter mit ihrem sogenannten Babyspeck. Auch Vater und Grossvater, bedeutende und einflussreiche Geschäftsmänner und Baulöwen kommen nicht gut weg in Paolas Bewertungssystem. Einzig die Grossmutter schafft es durch ihre Unkonventionalität Anerkennung von ihr zu bekommen. Und plötzlich entdeckt Paola die Liebe, ein zart wachsendes Pflänzchen in ihrem Herzen zu einem Jungen aus einer anderen Gesellschaftsschicht. Ihre Selbstliebe und ihr Selbstbewusstsein wachsen und bilden sich neu aus durch diese Erfahrungen. Antonio und seine Familie sind nicht reich, sie wohnen in einem heruntergekommenen Hochhausviertel, welches von Paolas Familie erbaut wurde. Doch was geschieht oder geschah in dieser Welt, diesem Leben der Klassen-Gegensätze und vielleicht sogar grässlichen Geheimnisse. Paola forscht nach, hält die Augen offen und findet das Unglaubliche. Ihre kindliche Unschuld wird schwer beschädigt und sie begegnet einer für sie neuen Realität von Betrug und Verbrechen,,,,,

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für dieses Buch über die Suche der Jugend nach Wahrheit, Gerechtigkeit, Anerkennung, Selbstfindung und Liebe zu sich und anderen Mitmenschen.

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für die Zusendung des wunderbar handlichen und gebundenen Rezensionsexemplars !

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*Bergsalz* von Karin Kalisa

*Werbung unbezahlt*

Meine Meinung: Wir Menschen sind soziale Wesen. Doch was macht uns dazu und zeichnet uns vielleicht sogar aus? Die Autorin geht dieser Frage nach und wir erleben in ihrem neuen Buch alle Höhen und Tiefen emphatischer Empfindungen füreinander. Es gibt Freude, Sympathie, Großzügigkeit, Liebe, aber auch die Schattenseiten wie Ärger, Hass, Neid, Schmerz und noch sehr viel mehr an negativen Gefühlen. Oft auch hervorgerufen durch das Leid durch Krieg und Vertreibung. Doch was ist die Würze des Lebens, die uns nicht verzagen lässt? Es ist das SALZ ! Diese Einsicht vermittelt die Autorin eindringlich in ihrem Buch. Sie schreibt es im bayrischen Stil, was es nicht unbedingt einfach macht beim Lesen. Zu Beginn begegnen wir eindrucksvollen Frauen aus dem Allgäu. Wie Franzi mit ihren alteingesessenen Dorffreundinnen, der aussergewöhnlichen Sabina, die aus der Enge des dörflichen Lebens in die Welt, grosse Städte und gar in Kriegsgebiete flüchtet. Und es gibt neue Dorfbewohner. Flüchtlinge aus Syrien, die alles verloren haben . Ihr Hab und Gut, ihre Heimat, ihr bisheriges Leben. Doch all diese Menschen verbindet eines. Die Kraft und die Freude zu einem Neubeginn. Franzi übernimmt die behutsame Führung für eine sogenannte offene Küche . Sie hat es satt allein und ohne Kontakte ihren letzten Lebensabschnitt zu verbringen. Sie lernt andere einsame Dorffreundinnen näher kennen, freundet sich mit der fremdartigen Esma an und schafft es sogar die zurückgekehrte und desillusionierte Sabina in ihre Pläne einzubinden. Die Frauen kochen, probieren neue Rezepte und neue Formen des Zusammenseins aus und bei allem ist es immer dabei! DAS SALZ – die Würze des Lebens und der sorgfältigen und nachhaltigen Küche.

Interessant erschienen mir die Einbindungen und das Erzählen mittelalterlichen Geschehens aus dem Allgäu und/oder Voralpenland. Die Autorin hat diese Abschnitte eines Berichtes über die Bundschuh-Bewegung in kursiver Schrift , kleingeschrieben verfasst, in ihren Roman aufgenommen. Dieses bäuerliche und ohnmächtige Aufbegehren gegen bestehende Ungerechtigkeiten von Obrigkeiten schliesst im Buch einen Kreis für Sabina, die ausserhalb des Dorfes in einem Einödhof ihr Familien-Leben neu beginnt.

Meine Bewertung: FÜNF *****Sterne für dieses ungewöhnliche Buch über gelungene Frauen-Leben im Alter – inmitten bodenständiger Lebensgrundlagen.

Wer mehr über die Bundschuh Bewegung erfahren möchte , möge bitte diesen Link anklicken.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bundschuh-Bewegung

Inhalt:/Klappentext: Dass man so klein wie „füreineallein“ eigentlich gar nicht denken und nicht kochen kann, ist von jeher Franziska Heberles Überzeugung. Trotzdem kommt das mittägliche Klingeln an ihrer Haustür unerwartet, ungebeten und ungelegen: Eine Nachbarin. Dann noch eine. Es reicht – und reicht noch nicht. Denn auf einmal fühlt sich das Ungelegene absolut richtig und vor allem steigerungsfähig an: Doch wie kann das überhaupt gehen? Ein Mittagstisch für viele – hier, im ländlichen weiten Voralpenland, wo Einzelhof und Alleinlage seit Generationen tief in die Gemüter sickern? Und es nicht jedem passt, wenn sich etwas ändert. Es braucht Frauen aus drei Generationen: Franzi, Esma und Sabina. Nicht jede ‚von hier‘, aber aus ähnlichem Holz. Es braucht Ben, der wenig sagt, aber wenn, dann in mancherlei Sprachen; es braucht Fidel Endres, einen Vorfahr, der etwas Entscheidendes hinterlassen hat – und einen halbleeren Kübel Alpensalz in einer stillgelegten Wirtshausküche, der zeigt: Dem Leben Würze geben, ist keine Frage der Zeit.

Karin Kalisa, geboren 1965, lebt nach Stationen in Bremerhaven, Hamburg, Tokio und Wien seit einigen Jahren im Osten Berlins. Sowohl als Wissenschaftlerin als auch mit dem Blick einer Literatin forscht sie in den Feldern asiatischer Sprachen, philosophischer Denkfiguren und ethnologischer Beschreibungen. Nach Karin Kalisas erstem Roman „Sungs Laden“ erschienen ihre Wintererzählung „Sternstunde“ und ihre weiteren Romane „Radio Activity“ und „Bergsalz“.

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*Malé* von Roman Ehrlich, erschienen im S.Fischer Verlag

*Werbung , unbezahlt*

Meine Meinung: Die katastrophale Stimmung – und Umweltlage unserer Zeit hat der Autor voll und ganz dem Leser vermittelt. Verwirrung, Langeweile, Unmöglichkeiten, Katastrophen und Gewalt wurden vom Autor beschrieben. Ich war tatsächlich zu Beginn verwirrt, habe ungeduldig einen roten Faden gesucht in diesem Roman und musste mich erst an den aussergewöhnlich anspruchsvollen Schreibstil gewöhnen. Personen tauchen unvermittelt auf , verschwinden plötzlich. Ich habe keinen wirklichen Zusammenhang gefunden zwischen diesen vielen Protagonisten – ausser kleinen und grossen Katastrophen. Es gelang mir nicht vollends auf folgenden ca. zweihundertfünfundachtzig Seiten aufmerksam zu folgen und ich muss gestehen, dieses Buch hat mich etwas enttäuscht. Titel und Cover hatten mich überzeugt, machten neugierig auf den geheimnisvollen Ort. Der intellektuelle Schreibstil hat mir imponiert und doch ist eine Lesebegeisterung nicht zu mir übergesprungen. Die langen verschachtelten Sätze ermüden beim Lesen, vermitteln aber jeweils ganz oft eine trostlose Atmosphäre. Da sind Bilder von Menschen, die sich durch hüfthohes Wasser kämpfen. Sie müssten ja eigentlich Mitleid und Aufregung beim Leser erzeugen, wie auch ein gefesselter, ertrinkender Mensch zu Beginn der Lektüre. Dem war aber nicht so. Ich hatte das Gefühl von oben emotionslos auf Ereignisse zu blicken. Das hat mich verunsichert, erschreckt, meinem Lesefluss überhaupt nicht gut getan. Diese Endzeitstimmung einer untergehenden Welt hat mich total kalt gelassen und keine Emotionen bei mir herausgekitztelt. Und das kann ich immer noch nicht wirklich glauben. Wie hat der Autor das geschafft? Ist dieses Buch doch grosse Literatur und/oder Lese-Unvermögen meinerseits? Ich habe mich durch das Buch gekämpft und war froh, dass ich bis zur letzten Seite durchgehalten habe.

Meine Bewertung: DREI *** Sterne für ein gutes Buch, welches mich aber nicht begeistern konnte.

Herzlichen Dank an den Autor und den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar.

Inhalt/Klappentext:

Longlist – nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020

Alle Versuche, die Malediven vor dem steigenden Meeresspiegel zu retten, sind gescheitert, Pauschaltouristen haben sich neue Ziele gesucht, und der Großteil der Bevölkerung musste die Inseln verlassen. Gleichzeitig ist die heruntergekommene Hauptstadt Malé zum Ziel all jener geworden, die nach einer Alternative zum Leben in den gentrifizierten Städten des Westens suchen. Und so wird die Insel für die kurze Zeit bis zu ihrem Untergang zur Projektionsfläche für Aussteigerinnen, Abenteurer und Utopistinnen, zu einem Ort zwischen Euphorie und Albtraum, in dem neue Formen der Solidarität erprobt werden und Menschen unauffindbar verschwinden. Mit »Malé« fängt Roman Ehrlich die komplexe Stimmungslage unserer Zeit ein und verwebt die Geschichten rund um die Sehnsüchte und das Scheitern seiner Figuren zu einem Abbild all der Widersprüche, die das Leben zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausmachen.

Roman Ehrlich, geboren 1983 in Aichach, aufgewachsen in Neuburg an der Donau, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Freien Universität Berlin. Bislang sind von ihm die Bücher ›Das kalte Jahr‹ (2013), ›Urwaldgäste‹ (2014), ›Das Theater des Krieges‹ (2017, mit Michael Disqué) und ›Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens‹ (2017) erschienen.

Literaturpreise:

Bremer Literaturpreis (Förderpreis) 2014

Robert Walser-Preis 2014

Ernst Toller-Preis 2016

Alfred Döblin-Medaille 2017

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*Die sardische Hochzeit*, Leseeindruck

*Werbung, unbezahlt*

https://literaturgarten.blogspot.com/2020/10/die-sardische-hochzeit-von-grit-landau.html

Inhalt/Klappentext: Sardinien 1922, kurz vor Mussolinis Machtergreifung:

Leo Lanteri, Kriegsveteran und Erbe einer ligurischen Olivenplantage, hat im Streit einen Faschisten getötet und muss untertauchen: Sein Vater schickt ihn nach Sassari auf Sardinien – für den smarten, jazzbegeisterten Leo das Ende der Welt.

Doch auf der »vergessenen Insel« brodelt es, Sardinien steht wie der Rest Italiens am Rand eines Umsturzes. Auch Leo gerät bald zwischen alle Fronten. Denn auf dem Landgut des Mussolini-Anhängers Soriga trifft er auf die Liebe seines Lebens: Gioia, die eigenwillige Tochter des Hauses.

Kein guter Zeitpunkt, um sich zu verlieben, denn die musikalisch begabte Gioia soll keine Woche später heiraten, den Spross eines ursardischen Clans von Pferdezüchtern – und die Traditionen dieser Familie sind mörderisch.

Meine Meinung:
Fasziniert habe ich zu diesem Titel gegriffen, da ich im letzten Jahr während einer privaten Reise die Insel Sardinien kennenlernen durfte. Ich war gespannt wie die Autorin über die Insel berichten würde und war von ihrer super guten und genauen Recherche geschichtlicher Hintergründe begeistert und überrascht. Sie hat diese fiktive Familiengeschichte vor einem traurigen politischen Geschehen angesiedelt und uns so zusätzlich Zeitgeschichte lebendig und bunt nahe gebracht. Nach dem ersten Weltkrieg gewannen die Faschisten unter Mussolini in Italien immer mehr Einfluss, bestimmten das öffentliche Leben und unterwanderten das herrschende System. Buntes, sardisches Familienleben hat sie geschickt mit wahrer Geschichte, zum Beispiel mit der Person des sardischen Politikers Emilio Lusso verknüpft. Besonders interessant und informierend waren für mich die Erklärungen sardischer Begriffe, Mythen und Legenden des alten Brauchtums der Insel, die sie vor jedes Kapitel gesetzt hat. Erklärungen zum Buch und ein sorgfältig erstelltes Glossar italienischer Begriffe am Ende des Romans sind absolut lesenswert für den interessierten Leser*in!

Diese Liebesgeschichte zwischen Gioia und Leo wird mit ganz viel Gefühl und Leidenschaft erzählt und hat mich beim Lesen voll in den Bann geschlagen. Man spürt förmlich den Geruch der Pferde auf dem Landgut der Familie Marras, sieht die Olivenplantagen und die wilde, bergige Landschaft mit den wunderschönen Buchten und Stränden vor sich . Und doch regelte damals noch eine stark patriarchisch gelebte ursprüngliche Ordnung das Leben auf dem Land , aber auch in den wenigen grossen Städten an den Küsten. Gioia’s Stellung als gehorsame Tochter und Frau mit wenigen eigenen Möglichkeiten das Leben mit eigenen Wünschen und Träumen zu füllen, macht betroffen. Hochzeiten wurden oft von den Männern der Familie arrangiert und dienten oft dazu schlimme Blutfehden zwischen unterschiedlichen Familien zu verhindern.
Die persönlichen Schilderungen der Leidensgeschichte von Leo als dienender Soldat, Leib und Leben bei einem Giftgasangriff während eines Angriffs ausgesetzt, macht betroffen und erinnert an das unsägliche Leid so vieler Menschen. Die Autorin hat Leo’s Erinnerungen und Ängste an die Kriegserlebnisse, die ihn immer wieder plötzlich überfallen haben , in kursiven Absätzen eindringlich hervorgehoben.

Man spürt in diesem klug erzähltem Roman sehr deutlich aber auch die Angst mancher Bevölkerungskreise vor den Faschisten, ebenso wie die Begeisterung vieler Menschen für die neuen politischen Ansichten. Insofern ist dieses Buch keine reine Liebesgeschichte , sondern beinhaltet ganz viel mehr,,,,,

Meine Bewertung: Eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF * Sternen.

Mein Dank gilt Grit Landau und dem Droemer Verlag für die Zusendung dieses interessanten und gebundenen Rezensionsexemplar !

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*Mein Leseeindruck zu ,,,,,*

*Werbung, unbezahlt*

Inhalt/Klappentext: Die Angst vor ihrem Ehemann Freddie hat Felicity bis ans Ende der Welt getrieben: auf die kleine antarktische Insel Südgeorgien, kurz vor dem Südpol. Jedes Mal, wenn sich ein Schiff nähert, sucht Felicity ein Versteck auf und beobachtet die Passagiere durch ihr Fernglas. Sehnsüchtig wartet sie darauf, dass der Winter kommt und das Eis die Insel für ein paar Monate von der Außenwelt abschneidet. Schließlich trifft das letzte Schiff der Saison ein – und Felicitys Albtraum wird wahr: Freddie ist an Bord. Und er wird nicht ruhen, bis er ihr Auge in Auge gegenübersteht …

Meine Meinung: Diesen Spannungsthriller erzählt die Autorin in vier Teilen, wovon mir Teil eins und vier am meisten zugesagt haben, da sie beide im ewigen antarktischen Eis von Südgeorgien spielen. Diese umwerfende Landschaft mit den unwirtlichen eisigen Lebensbedingungen auf einer Forschungsstation wird wunderbar plastisch und sehr realitätsnah von Sharon Bolton geschildert. Die Arbeit der Wissenschaftler dort ist oft gefährlich und sie können sehr schnell in lebensbedrohende Situationen kommen, durch die nicht vorhersehbaren Bewegungen der Gletscherplatten. Die Autorin schreibt in einem super flüssigen, bildhaften und gefälligem Stil, dem man leicht folgen kann.

Der Roman wird von verschiedenen Protagonisten erzählt und gewinnt dadurch einen mitreissenden und sehr spannenden Verlauf auf das Geschehen in Teil zwei und drei. Die Glaziologin Felicity verliert sich in panischen Angst-Vorstellungen über ihren Ehemann Freddie, der ihr Vertrauen missbraucht und ihr Ungeheuerlichkeiten angetan hat. Sie sucht und bekommt Hilfe und Zuwendung bei ihrem Therapeuten Joe. Auch er hat mit Gespenstern aus seiner Vergangenheit zu kämpfen und wird von seiner Mutter , einer Polizeikommissarin der Stadt, beruhigt und unterstützt. Diese Zeit in Cambridge wird in meinen Augen in Teil zwei und drei zwar ausführlich , bunt und lebendig , aber leider etwas langatmig erzählt, so dass ich kurzzeitig ein wenig das Interesse am Buch verlor. Diese beiden Abschnitte sind aber trotz ihrer Länge sehr wichtig, um sich überhaupt ein Bild von Felicity’s Ängsten, ihrem Charakter und ihrem Verhältnis zu ihrem Therapeuten Joe machen zu können. Im Teil vier dreht die Handlung wieder voll auf, getragen durch Joe, seine ungewöhnliche Mutter, die Wissenschaftler in Südgeorgien und Freddie – dem ungeliebten Ehemann, den Felicity aus ihrem Kopf verdrängen möchte, der aber nun eine furchtbar bedrohende Präsenz für Felicity in Süd Georgien bekommt,,,,

Meine Bewertung: VIER **** Sterne. Ich war fasziniert von diesem Thriller und hatte einige spannende Stunden, die mich aus dem >Hier und Jetzt< rissen und abgelenkt haben.

Mein Dank geht an die Autorin und den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar!

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Dein-kaltes-Herz/Sharon-Bolton/Goldmann/e567168.rhd

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*Schwarzrock* von Brian Moore, erschienen im Diogenes Verlag

*Werbung, unbezahlt*

https://www.diogenes.ch/leser/titel/brian-moore/schwarzrock-9783257071450.html

Meine Meinung: Wer sich für das Schicksal der indigenen Völker Kanadas und die Kolonisierung des Landes interessiert – für diese Leser*innen ist dieses Buch ein absolutes *Muß* ! Wir tauchen ein in das 17. Jahrhundert auf den teilweise unerforschten Kontinent Nordamerika . Noch leben die indigenen Völker relativ frei und sind eng verbunden mit ihrer Kultur und der umgebenden unberührten Natur. Durch vorsichtige Tauschprojekte kommen sie langsam in Kontakt mit eingewanderten Franzosen, Niederländern, Deutschen und der christlichen Religion, vertreten im Buch durch den jungen französischstämmigen Pater Laforgue.

Der irische Autor Brian Moore hat ausgiebige Recherchen erstellt, unter anderem auch aus The Jesuits in North America in the Seventeenth Centuryvon Francis Parkman, einem US-amerikanischen Historiker, der selbst in jungen Jahren unter indigenen Volksgruppen lebte. Der Schreibstil von Brian Moore gefiel mir sehr gut. Er schreibt lebendig, spannend und bunt über den Alltag , die Lebens- und Denkweise der unterschiedlichen Völker der Algonkin, Huronen und Irokesen. Auch die Lebensweise der sogenannten Normannen, der eingewanderten Weißen wird ausführlich dargestellt. Brian Moore wertet kaum, stellt nicht eine Kultur gegenüber der anderen als überlegen dar und doch vermeint man als Leser unterschwellig eine besondere Sympathie für die Ureinwohner zu spüren. Die Kulturen der indigenen Völker begegnen der Natur respektvoll. Sie kennen keinen egoistischen Materialismus und kein Machtbestreben gegenüber der weissen Bevölkerung. Die indigenen Völker verspüren eine instinktive Abneigung gegen die völlig anderen Lebensgewohnheiten der Weißen Diese unterschiedlichen Emotionen hat der Autor fast wertfrei dargestellt, verschweigt aber auch nicht die Brutalität, den Kannibalismus, die Folterungen und die körperliche und psychische Härte der indigenen Völker gegenüber anderen Menschen, egal welcher Kultur sie angehören. Dieses Buch beinhaltet zwar viele Gewaltvorstellungen, es hat aber keine Ähnlichkeit mit einem Western! Die Unwissenheit der Menschen des 17. Jahrhundert erscheint uns heute naiv und hinterwäldlerisch, entspricht aber wohl den Tatsachen. Interessant fand ich auch , dass viele Weiße ihre angeblich zivilisierte Kultur hinter sich ließen , mit den indigenen Gruppen lebten und sich ihnen anpassten. Man nannte diese Leute Sauvages. Das Ende dieses Romans bleibt offen, es werden zwar viele christliche Taufen durchgeführt, aber ob sie eine tiefe Wirkung auf die Lebensumstände hatten, bleibt dahingestellt. Wir wissen ja inzwischen wie das Schicksal dieser Völker endet und können aus heutiger Sicht viel tiefer in die ehemalige Geschichte blicken.

Dieses Buch ist absolut lesenswert und verdient FÜNF * STERNE!

Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar!

Inhalt/Klappentext: Père Laforgue kommt als Jesuit in die Neue Welt, um unter Lebensgefahr »Wilde« zu missionieren. Doch je länger er deren Leben teilt, desto mehr beginnt er sie zu begreifen. Die gemeinsame Fahrt den Fluss hinauf gen Norden, durch Feindesland, dem Winterlager entgegen, wird zur Bewährungsprobe. Mit genau recherchierten Details lässt Brian Moore das frühe 17. Jahrhundert plastisch werden. Ein atemlos spannender Abenteuerroman, basierend auf Augenzeugenberichten.

Brian Moore, geboren 1921 in Belfast, diente als britischer Soldat von 1943 bis 1945 in Nordafrika, war von 1946 bis 1947 UNO-Beauftragter in Polen und wanderte 1948 nach Kanada aus. 1959 übersiedelte Moore nach Kalifornien. Er starb 1999 in seinem Haus in Malibu.

Auszeichnungen

Erstmals verliehener ›Sunday Express Book of the Year Award‹ für The Color of Blood, 1987

›Heinemann Award‹ der Royal Society of Literature in Great Britain für Black Robe, 1985

›James Tait Black Memorial Award‹, 1975

›Governor General of Canada Award for Fiction‹, 1975

›W.H. Smith Prize‹, 1972

›Governor General of Canada Award for Fiction‹, 1961

›Quebec Literary Prize‹, 1958

›Author’s Club of Great Britain First Novel Award‹, 1956

›Beta Sigma Phi Award‹, 1956